Pellikel im Bier: Infektion oder harmlose Wildhefe?

· von Jacob Hayes · 3 Min. Lesezeit

Pellikel im Bier: Infektion oder harmlose Wildhefe?

Eine dünne, weiße bis cremefarbene Schicht auf deinem Bier während der Gärung sieht im ersten Moment nach Katastrophe aus. Ist sie aber meistens nicht. Eine sogenannte Pellikel ist in den allermeisten Fällen ein Zeichen für Wildhefen oder Bakterien wie Brettanomyces, Lactobacillus oder Pediococcus, die absichtlich oder unabsichtlich ins Bier gelangt sind. Ob das nun ein Problem ist oder nicht, hängt vom Bierstil und deinen Erwartungen ab. Nicht jede Pellikel bedeutet, dass die Charge hinüber ist.

Was ist eine Pellikel genau?

Eine Pellikel ist ein biologischer Film, der sich auf der Oberfläche der Flüssigkeit bildet. Mikroorganismen, die Sauerstoff zum Wachsen brauchen, siedeln sich genau dort an, wo Luft auf Bier trifft. Typische Merkmale:

Eine normale Hefekräusen, also der Kahmhefe-Deckel bei der Hauptgärung, sieht anders aus: bräunlich, schaumig, mit Hopfenharz-Flecken durchzogen, und sie fällt nach ein paar Tagen wieder in sich zusammen. Eine Pellikel bleibt. Oder sie wird sogar dicker.

Harmlose Wildhefe oder echte Infektion?

Anzeichen für eine gewollte oder harmlose Besiedlung

Anzeichen für eine problematische Infektion

Riechen und schmecken, aber mit Vorsicht

Bevor du das Bier in den Abfluss kippst, probiere lieber erst eine kleine Menge:

  1. Rieche zunächst vorsichtig direkt an der Oberfläche
  2. Ziehe mit einem sauberen Löffel etwas Bier unterhalb der Pellikel heraus
  3. Verkoste einen kleinen Schluck davon

Schmeckt es eher sauer-fruchtig als faulig oder chemisch, ist meist alles in Ordnung. Schimmel dagegen erkennst du an pelzigen, farbigen Flecken, oft in Grün, Blau oder Schwarz. Das ist eindeutig, und dann heißt es: entsorgen, ohne wenn und aber.

Was tun, wenn die Pellikel unerwünscht ist?

Vorbeugen für die Zukunft

Fazit

Eine Pellikel ist kein automatisches Todesurteil für dein Bier. Bei Sauerbierstilen ist sie sogar oft ein gutes Zeichen dafür, dass Brettanomyces oder Milchsäurebakterien gerade genau ihre Arbeit machen. Bei klassischen, sauberen Bierstilen solltest du dagegen hellhörig werden: riechen, verkosten, im Zweifel eine kleine Testflasche reifen lassen, bevor die gesamte Charge im Ausguss landet. Mit klarer Trennung von Equipment und konsequenter Sanitation lässt sich das Risiko für die Zukunft ohnehin deutlich senken.

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